Korea

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Korea
Ko|rea ; -s:
Halbinsel in Ostasien (vgl. ‚ÜĎ Nordkorea, ‚ÜĎ S√ľdkorea).

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I
Korea,
 
koreanisch ChosŇŹn [t Éos Ćn], Halbinsel und ehemaliger Staat in Ostasien, zwischen Japanischem und Gelbem Meer, China und den japanischen Inseln. Seit der Teilung des Staates 1948 bestehen die Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea,120 538 km2) und die Republik Korea (S√ľdkorea, 99 262 km2).
 
 Landesnatur
 
Nordkorea hat au√üer an der Halbinsel auch Anteil am asiatischen Festland, einen 600 km langen und durchschnittlich 150 km breiten Saum, der von nach Norden streichenden Gebirgsketten eingenommen wird, die an der chinesischen Grenze im Vulkan Paektusan (2 744 m √ľber dem Meeresspiegel) gipfeln. Yalu und Tumen, die beide im Paektusan entspringen und in fast entgegengesetzter Richtung flie√üen, bilden mit ihren Talfurchen die Nordwest- und Nordgrenze zu China und zu Russland. Im Osten grenzt der Festlandsaum mit einer Steilk√ľste ans Japanische Meer. Die im S√ľden anschlie√üende Halbinsel Korea, eine Pultscholle mit dem Taebaekgebirge (im SŇŹraksan 1 708 m √ľber dem Meeresspiegel, im Norden in den Diamantbergen bis 1 638 m √ľber dem Meeresspiegel), grenzt in einem Steilabfall ans Japanische Meer und geht in der Westabdachung allm√§hlich in ein K√ľstentiefland zum Gelben Meer hin √ľber. Der Scheitel dieser Pultscholle bildet die Hauptwasserscheide der Halbinsel mit kurzen und steilen, engen T√§lern an der Ostseite. Zahlreiche Fl√ľsse folgen in S√ľdwestrichtung der Westabdachung. Die gr√∂√üeren Systeme (Hangang, KŇ≠mgang und Taedonggang) bilden breite, mit Schwemmland angef√ľllte Talungen, im S√ľden der Naktonggang ein weitr√§umiges, N-S-gerichtetes Becken, das vom Taebaekgebirge und dem nach S√ľdwesten abzweigenden Sobaekgebirge (im Chiri 1 915 m √ľber dem Meeresspiegel) begrenzt wird. Fast alle gro√üen Fl√ľsse weisen jahreszeitlich stark schwankende Wasserf√ľhrung (im Sommer √úberschwemmungen) und im Norden winterliche Vereisung auf. An der Ostk√ľste fehlen Inseln v√∂llig, w√§hrend dem h√ľgeligen Tiefland an der S√ľd- und Westk√ľste rd. 3 500 kleinere Inseln vorgelagert sind.
 
 
Korea liegt zwischen kontinentaler und maritimer Einflusssph√§re. K√ľhlgem√§√üigtes Klima √ľberwiegt, nur die S√ľdk√ľste ist als subtropisch zu bezeichnen. Die monsunalen Luftstr√∂mungen sind neben dem Einfluss des Reliefs und der umgebenden Meere von beherrschender Bedeutung. Die Temperaturen √ľbersteigen im Sommer 20 ¬ļC; im Winter sinken sie unter 0 ¬ļC, ausgenommen an der S√ľdk√ľste, wo der Einfluss des Meeresstroms Kuroshio Temperaturen √ľber dem Gefrierpunkt bewirkt. Die Hauptregenperiode liegt in der Zeit von Juni bis September; die j√§hrlichen Niederschlagsmengen betragen in SinŇ≠iju (40¬ļ n√∂rdliche Breite) 1 050 mm, in Seoul (38¬ļ n√∂rdliche Breite) 1 230 mm und in Pusan (35¬ļ n√∂rdliche Breite) 1 380 mm.
 
Die Vegetation hat zwar vieles mit derjenigen Nordchinas und der der Mandschurei gemeinsam, ist aber im √§u√üersten S√ľden bereits subtropisch gepr√§gt. Von gro√üer Bedeutung ist die unterschiedliche L√§nge der Vegetationsperiode, die im Norden 28-32 Wochen, an der S√ľdk√ľste 40-44 Wochen und auf Cheju-do sogar 48 Wochen dauert. Mit Ausnahme des subtropischen Bereichs an der S√ľdk√ľste, wo bis etwa 300 m √ľber dem Meeresspiegel breitbl√§ttrige immergr√ľne Gew√§chse dominieren, √§hnelt die Vegetation in gro√üen Teilen derjenigen Mitteleuropas. Sommergr√ľne artenreiche Mischw√§lder, u. a. mit Eichen, Ahorn, Buchen und Birken, finden sich bis in 1 100-1 300 m √ľber dem Meeresspiegel, gefolgt von einer Nadelwaldstufe. Im n√∂rdlichen Korea dominieren Nadelw√§lder mit Fichten und L√§rchen. Die urspr√ľnglichen W√§lder haben sich nur noch um Kl√∂ster, in hohen Gebirgsgegenden und d√ľnn besiedelten Hochl√§ndern im Norden erhalten k√∂nnen, sonst sind sie durch Holzeinschlag, Brandrodungsfeldbau sowie Gr√ľnd√ľngung vernichtet worden; an ihre Stelle trat wirtschaftlich wertloser Sekund√§rwald.
 
 
Ein erstes, legend√§res Reich, ChosŇŹn (chinesisch Zhaoxian, Chaohsien), ¬ĽLand der Morgenstille¬ę, soll Tan'gun, Kultursch√∂pfer g√∂ttlichen Ursprungs, 2333 v. Chr. (Beginn der traditionellen koreanischen Zeitrechnung) gegr√ľndet haben. Ein sp√§terer legend√§rer ¬ĽKulturtr√§ger¬ę war Kija (chinesisch Jinzu, Chin-tzu), der, als das Reich der Shang in China um 1050 (nach der traditionellen Chronologie 1122) v. Chr. von K√∂nig Wu von Zhou zerst√∂rt wurde, mit Tausenden von Getreuen nach Korea geflohen und sp√§ter von Wu zum ¬ĽLehnsherrn von ChosŇŹn¬ę ernannt worden sein soll.
 
Fr√ľhgeschichte und erste Staatsgr√ľndungen (bis 1392):
 
Auf die Altsteinzeit mit bedeutenden Fundstellen in N- und S√ľdkorea folgte mit einem zeitlichen Abstand von mehreren tausend Jahren um 5000 v. Chr. die Jungsteinzeit, w√§hrend der eine offenbar pal√§oasiatische Bev√∂lkerung die Halbinsel besiedelte. F√ľr die Zeit um 3000 v. Chr. konnte man die Existenz einer Kammkeramik entlang der Meeresk√ľste und an Flussufern nachweisen; glatte Keramik fand man hingegen im Landesinnern. Um 1000 v. Chr. wanderten aus dem Norden vermutlich tungusische Volksst√§mme, oft als Yemaek bezeichnet, ein, brachten Bronze- und Ackerbautechnik (fr√ľhe Reiskultur) mit und bauten Dolmengr√§ber.
 
Um 400 v. Chr. entstand in Nordwestkorea die erste historisch fassbare politische Einheit, das ¬ĽProtoreich¬ę Alt-ChosŇŹn. Es wurde um 200 v. Chr. durch das Reich Wiman-ChosŇŹn abgel√∂st (benannt nach dem aus China stammenden, seit etwa 194 v. Chr. als K√∂nig herrschenden Wiman). 108 v. Chr. zerst√∂rte das chinesische Hanreich Wiman-ChosŇŹn und errichtete in der n√∂rdlichen H√§lfte der Halbinsel vier Milit√§rkommandanturen: Luolang (Lo-lang), Xuantu (Hs√ľan-t'u), Lintun (Lin-t'un) und Zhenfan (Chen-fan). Nur Luolang (koreanisch Nangnang) mit Zentrum in Pj√∂ngjang konnte sich bis 313 n. Chr. halten und √ľbermittelte wichtige Kulturimpulse in die Halbinsel und bis nach Japan.
 
Im Lauf des 4. Jahrhunderts n. Chr. erstarkte das nordkoreanische K√∂nigreich KoguryŇŹ (traditionelles Gr√ľndungsdatum: 37 v. Chr.), wurde 370 Schutzmacht √ľber PuyŇŹ und verlegte 427 seine Hauptstadt nach Pj√∂ngjang. Es kam dadurch mit Paekche und Silla, die sich seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. in der s√ľdlichen H√§lfte der Halbinsel aus den fr√ľheren politischen Einheiten der Drei Han (Samhan) zu K√∂nigt√ľmern entwickelt hatten, in Konflikt. Zwischen Paekche und Silla lag die kulturell eigenst√§ndige Kaya-(oder Kar-)Konf√∂deration, in japanischen Quellen Mimana genannt, mit sechs Kleinstaaten, darunter Pon-Kaya mit dem Zentrum Kimhae (bedeutender Fundort v. a. der Kimhaekeramik).
 
Die Zeit der Drei K√∂nigreiche (Samguk) - KoguryŇŹ, Paekche und Silla - war erf√ľllt von K√§mpfen um die Vormacht auf der Halbinsel. W√§hrend des 6. Jahrhunderts gewann Silla zunehmend die Oberhand, zerst√∂rte die Kaya-Konf√∂deration, besiegte 663 Paekche und unterwarf mit milit√§rischer Unterst√ľtzung des chinesischen Tangreiches 668 KoguryŇŹ. Als dessen Nachfolgestaat im mandschurischen Raum entstand um 700 Parhae (chinesisch Pohai, P'o-hai), 926 von den tungusischen Kitan vernichtet. W√§hrend der Zeit des ¬ĽVereinten Silla¬ę (668-935) mit KyŇŹngju als Hauptstadt entstand der erste koreanische Einheitsstaat, in dem die Sillasprache zur Landessprache (Altkoreanisch) wurde. Die vom Adel getragene Hochkultur empfing wesentliche Impulse aus China und war gepr√§gt durch den Buddhismus.
 
Adelszwist und lokale Rebellionen f√ľhrten im 9. Jahrhundert zum Niedergang Sillas und zur Bildung von Separatstaaten (im S√ľdwesten Hu-Paekche 892-936, im Norden Hu-KoguryŇŹ oder T'aebong 901-918). 918 proklamierte Wang KŇŹn in Nordkorea das K√∂nigreich KoryŇŹ (in Anlehnung an den alten Namen KoguryŇŹ) mit der Hauptstadt KaesŇŹng und brachte 936 ganz Korea unter seine Hoheit. Die KoryŇŹdynastie (918-1392), deren Herrschaft auf einer nach chinesischem Vorbild aufgebauten Zentraladministration beruhte, machte den Buddhismus zur Staatsreligion. Korea stand unter dem Druck √§u√üerer Feinde: Kitan und Dschurdschen berannten die Nordgrenze; von 1231 bis um die Mitte des 14. Jahrhunderts herrschten die Mongolen im Land und zwangen den koreanischen Hof zur Waffenhilfe gegen Japan (zwei gescheiterte Expeditionen 1274 und 1281); seit dem 13. Jahrhundert machten japanische Piraten (Waegu) die K√ľsten Koreas unsicher. Der Fall der mongolischen Yuandynastie in China und die Gr√ľndung der Mingdynastie 1368 beg√ľnstigten Reformbestrebungen, die jedoch von der alteingesessenen Aristokratie behindert wurden. Eine neue Schicht von konfuzianisch gebildeten Beamten scharte sich um General Yi SŇŹnggye, der 1392 die Dynastie ChosŇŹn (oder Yi) gr√ľndete.
 
Die ChosŇŹndynastie:
 
Die neuen Herrscher, die die Hauptstadt nach Hanyang (Seoul, ¬ĽHauptstadt¬ę) verlegten, entmachteten den buddhistischen Klerus, f√ľhrten weit reichende Reformen durch und bestimmten den Neokonfuzianismus zur Staatsphilosophie. Mithilfe einer beg√ľterten Amtselite (Yangban) wurde nach chinesischem Muster ein Staatsapparat geschaffen, der der Dynastie ein √ľber f√ľnfhundertj√§hriges Bestehen sicherte. Das 15. Jahrhundert war eine Epoche des wirtschaftlichen Aufschwungs (Landreformen, neue Agrartechniken) und der kulturellen Bl√ľte (Erfindung des koreanischen Alphabets, Rechtskodex, naturwissenschaftliche Erfindungen). Im 16. Jahrhundert entwickelte der Neokonfuzianismus eigenst√§ndige koreanische Schulrichtungen, doch begannen Parteienk√§mpfe (Tangjaeng), angefacht durch unterschiedliche philosophische Auffassungen und machtpolitische Intrigen, die Regierung zu beherrschen. Korea wurde sodann durch die japanischen Invasionen unter Toyotomi Hideyoshi (1592 und 1597), die das Land in Schutt und Asche legten, √ľberrascht. Mithilfe der Ming und durch erbitterten Widerstand (Seesiege unter Admiral Yi Sunsin) wurden die Japaner schlie√ülich zur√ľckgeschlagen.
 
1627, erneut 1637, drangen die Mandschu in ihrem Kampf gegen das chinesische Mingreich auch in Korea ein und zwangen das Land zur Anerkennung ihrer Oberhoheit, die bis 1894 bestand. Nach diesen Invasionen betrieb die koreanische Regierung eine strenge Abschlie√üungspolitik (1637-1876). Das 18. Jahrhundert war nochmals eine kulturelle Bl√ľtezeit, w√§hrend der sich die ¬ĽPraktische Schule¬ę (Sirhak), die sich mit der L√∂sung von Alltagsproblemen (Land- und Gesellschaftsreformen) befasste, voll entfaltete. Am Ende des Jahrhunderts wurde der Katholizismus nach Korea √ľbermittelt, wurde aber im 19. Jahrhundert verfolgt. Obschon Korea lange als ¬ĽEremitennation¬ę vom Vordringen westlicher M√§chte verschont blieb, wurde es schlie√ülich durch Japan gezwungen, den Vertrag von Kanghwa (26. 2. 1876 abzuschlie√üen, der in den folgenden Jahren drei Vertragsh√§fen (Pusan, WŇŹnsan und Chemulp'o, heute Inch'ŇŹn) dem Handel √∂ffnete. Vertr√§ge mit den Westm√§chten und Russland folgten. Das Vordringen Japans f√ľhrte zum Krieg (1894/95) mit Koreas alter Schutzmacht China (seit 1644 unter der Qingdynastie); er endete mit Japans Sieg (Vertrag von Shimonoseki 17. 4. 1895). Infolge japanischer Pressionen st√ľtzte sich der koreanische Hof zeitweilig auf Russland (1896/97), doch im Oktober 1897 erkl√§rte K√∂nig Kojong (1864-1907) die Unabh√§ngigkeit des Landes als Gro√ükorea (Taehan). Die Konfrontation der Interessen l√∂ste jedoch den Russisch-Japanischen Krieg aus (1904/05). Japans Sieg garantierte ihm Vorrechte in Korea (Friedensbestimmungen von Portsmouth 5. 9. 1905). Im November 1905 wurde Kojong zur Unterzeichnung eines Protektoratsvertrages gezwungen und wegen seines Widerstandes 1907 entthront. 1910 wurde die Dynastie auf Betreiben der Militaristen in der japanischen Regierung endg√ľltig gest√ľrzt.
 
Japanische Herrschaft (1910-45):
 
Am 22. 8. 1910 annektierte Japan die Halbinsel und unterstellte sie einem Generalgouverneur; die japanische Regierung reorganisierte die Verwaltung und betrieb eine gewaltsame Politik der Japanisierung. Die wirtschaftlichen Ressourcen des Landes wurden zugunsten der japanischen Wirtschaftsbed√ľrfnisse ausgebeutet, auch der Aufbau einer modernen Landwirtschaft und Industrie kam weitgehend Japan zugute. Mit der Proklamation der koreanischen Unabh√§ngigkeit am 1. 3. 1919 l√∂sten f√ľhrende Pers√∂nlichkeiten Koreas eine politische Bewegung und eine waffenlose Volkserhebung aus, die jedoch blutig niedergeschlagen wurde. In Schanghai (China) konstituierte sich unter F√ľhrung von Syngman Rhee (Rhee Syngman, Yi SŇ≠ngman) eine provisorische Regierung der Republik Korea, die eine antijapanische Widerstandsbewegung aufzubauen suchte. Auf den Konferenzen von Kairo (1943), Jalta und Potsdam (beide 1945) sicherten die Kriegsgegner Japans Korea die staatliche Unabh√§ngigkeit zu.
 
Teilung in zwei Staaten (1945-48) und Entwicklung der innerkoreanischen Beziehungen:
 
Im August 1945 eroberten sowjetischen Truppen Nordkorea. Nach dem milit√§rischen Zusammenbruch Japans (Kapitulation am 15. 8./2. 9. 1945) wurde Korea entsprechend den Beschl√ľssen der Jalta-Konferenz - n√∂rdlich des 38. Breitengrades (Demarkationslinie) durch die UdSSR, s√ľdlich davon durch die USA besetzt. Unter sowjetischem Schutz baute die kommunistische ¬ĽPartei der Arbeit Koreas¬ę unter F√ľhrung von Kim Il Sung (Kim IlsŇŹng) in Nordkorea eine kommunistische Gesellschaftsordnung auf (u. a. Bodenreform sowie Verstaatlichung der Industrie, der Banken und des Transportwesens, 1946). In S√ľdkorea richteten die USA eine Milit√§rregierung ein (1945-48). Nach dem Scheitern der amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen √ľber eine gesamtkoreanische provisorische Regierung (1946) beraumte die UNO 1947 geheime und freie Wahlen an, die unter ihrer Aufsicht 1948 (10. 5.) nur in S√ľdkorea durchgef√ľhrt wurden. Dort konstituierte sich am 15. 8. 1948 die Republik Korea unter Pr√§sident Syngman Rhee. Mithilfe einer Einheitsliste sicherten sich in Nordkorea die Kommunisten bei den Wahlen zu einer Obersten Volksversammlung 1948 (25. 8.) die Macht und schufen am 9. 9. 1948 die Demokratische Volksrepublik Korea. Die Besatzungsm√§chte zogen sich 1948/49 aus Korea zur√ľck. Nationale Motive (staatliche Einheit) und internationale Spannungen (Kalter Krieg) f√ľhrten zum Koreakrieg. Die nach dem Waffenstillstandsabkommen (27. 7. 1953) aufgenommenen Friedensverhandlungen scheiterten 1954; die Verbindungen zwischen Nord- und S√ľdkorea wurden rigoros abgebrochen. Erst Anfang der 70er-Jahre kam es wieder zu unregelm√§√üigen Regierungs-Kontakten zwischen Nord- und S√ľdkorea, die schlie√ülich 1990 in Gespr√§che der Ministerpr√§sidenten √ľber Fragen der friedlichen Wiedervereinigung m√ľndeten. Im Dezember 1991 schlossen Nord- und S√ľdkorea einen Vertrag √ľber Auss√∂hnung, Nichtangriff, Austausch und Kooperation (im Februar 1992 ratifiziert); zudem trat ein Abkommen √ľber Atomwaffenfreiheit beider Staaten in Kraft. Die Absicht von Nordkorea, sich aus den Verpflichtungen des Kernwaffensperrvertrages zu l√∂sen, verursachte 1993/94 schwere Spannungen mit den USA und S√ľdkorea; auch eine Reihe von Zwischenf√§llen und Provokationen (u. a. 1996 Verletzung des Waffenstillstandsabkommens durch Nordkorea und Eindringen eines nordkoreanischen Spionage-U-Bootes in s√ľdkoreanischem Gebiet, 1997 milit√§rischer Grenzzwischenfall, 1999 Feuergefecht zwischen nord- und s√ľdkoreanischen Kriegsschiffen im Gelben Meer) behinderte die weitere Normalisierung der innerkoreanischen Beziehungen. Im August 1997 begannen in New York unter Beteiligung von Nord- und S√ľdkorea, der USA und China mehrfach unterbrochene Vorverhandlungen √ľber eine Konferenz zum Abschluss eines Friedensvertrages f√ľr Korea. Ein politischer Durchbruch wurde im Juni 2000 mit dem ersten innerkoreanischen Gipfeltreffen erreicht, auf dem die Staatschefs Nord- und S√ľd-Koreas u. a. Schritte zur Vers√∂hnung und Familienzusammenf√ľhrung (im August 2000 erstmals organisierte Treffen von Mitgliedern der durch den Koreakrieg getrennten Familien), desweiteren s√ľdkoreanischer Wirtschaftshilfe und als langfristiges Ziel die Wiedervereinigung Koreas vereinbarten. (Korea, Nord-Korea [Geschichte], Korea, S√ľd-Korea [Geschichte])
 
 
Allgemeines und Landesnatur:
 
J. Kleiner: K. (1980);
 R. A. Domschke u. R. Goosmann: K.-Bibliogr. (1983);
 H. W. u. I. M. Maull: K. (1987);
 H.-U. Pews: K., Land der Morgenfrische (Gotha 1987);
 G. Hielscher: 38mal K. (1988);
 H. Lautensach: K., bearb. v. K. Dege u. a. (1988);
 E. Dege: K. Eine landeskundl. Einf. (1992).
 
 
C. I. E. u. H. K. Kim: K. and the politics of imperialism, 1876-1910 (Berkeley, Calif., 1967);
 
Modernes K., Gesch. u. Politik. 1860-1960, hg. v. Y.-S. Kim (1974);
 
F. Vos: Die Religionen K.s (1977);
 
I. Göthel: Gesch. K.s. Vom 17. Jh. bis in die Gegenwart (Berlin-Ost 1978);
 
G. Wontroba u. U. Menzel: Stagnation u. Unterentwicklung in K. Von der Yi-Dynastie zur Peripherisierung unter jap. Kolonialherrschaft (1978);
 
K.-B. Lee: A new history of K. (a. d. Korean., Cambridge, Mass., 1984);
 
J.-S. Kim: K. u. der Westen von 1860 bis 1900. Die Beziehungen K.s zu den europ. Gro√üm√§chten, mit besonderer Ber√ľcksichtigung der Beziehungen zum Dt. Reich (1986);
 
Ostasien-Ploetz. Gesch. Chinas, Japans u. K.s zum Nachschlagen, bearb. v. M. Haydt (1986);
 
G. Hielscher: 38mal K. (1988);
 
I Göthel: Der Untergang des alten K. (1996).
 
Hier finden Sie in √úberblicksartikeln weiterf√ľhrende Informationen:
 
 
Korea bis 668 n. Chr.: Staatenbildung im Land der Morgenstille
 
Japan: Der Weg zur Großmacht
 
Koreakrieg: Weltpolitische Zäsur
 
Korea zwischen China und Japan
 
II
Korea,
 
 
 
Fläche: 122 762 km2
 
Einwohner: (2000) 22,2 Mio.
 
Hauptstadt: Pjöngjang
 
Amtssprache: Koreanisch
 
 
Währung: 1 Won = 100 Chon
 
Zeitzone: 2000 Pjöngjang = 1200 MEZ
 
Nordkorea, amtlich koreanisch ChosŇŹn MinjujuŇ≠i In'min Konghwaguk [t Éos Ćn mind íud íui -], deutsch Demokratische Volksrepublik Korea, Staat in Ostasien, umfasst den Nordteil der Halbinsel Korea und Randbereiche des asiatischen Festlandes, grenzt im Westen an die Koreabucht und entlang den Fl√ľssen Yalu und Tumen an China, im Norden an Russland, im Osten an das Japanische Meer und im S√ľden entlang einer Demarkationslinie um den 38. Breitengrad an S√ľdkorea, 122 762 km2 (ohne die 4 km breite entmilitarisierte Zone von 1 262 km2), (2000) 22,2 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Pj√∂ngjang, Amtssprache Koreanisch. W√§hrungseinheit: 1 Won = 100 Chon. Zeitzone: Mittlere Japanzeit (2000 Pj√∂ngjang = 1200 MEZ).
 
 Staat und Recht:
 
 
Die am 17. 12. 1972 in Kraft getretene Verfassung (mehrfach, zuletzt 1998 revidiert) bestimmt Nordkorea als Volksrepublik (Volksdemokratie). Als Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkr√§fte fungiert seit dem 5. 9. 1998 der Vorsitzende des neu geschaffenen Nationalen Verteidigungsausschusses. Mit weit reichenden Vollmachten ausgestattet, bestimmt er faktisch die Richtlinien der Politik. Das bis dahin bestehende Amt des Staatspr√§sidents (vom Parlament auf f√ľnf Jahre gew√§hlt) wurde abgeschafft. Der Verwaltungsrat unter Vorsitz des Ministerpr√§sidenten als eigentliche Regierung hat den Charakter eines Verwaltungs- und Vollzugsorgans. Tr√§gerin der Legislative ist die Oberste Volksversammlung, ein Einkammerparlament, dessen 687 Abgeordnete, f√ľr eine Legislaturperiode von f√ľnf Jahren nach Einheitslisten, die keine Opposition zulassen, gew√§hlt werden (Wahlrecht ab dem 17. Lebensjahr).
 
Parteien:
 
Staatstragende Partei ist die kommunistische Partei der Arbeit Koreas (PdAK; gegr√ľndet 1945); im Rahmen der Nationalen Front f√ľr die Wiedervereinigung des Vaterlandes unterst√ľtzen die Sozialdemokratische Partei Koreas (gegr√ľndet 1945 als Demokratische Partei) und die religi√∂s fundierte Chundo-gyo-Chongu-Partei (gegr√ľndet 1945) die Politik der PdAK.
 
 
Wichtigste Gewerkschaften sind der Generalverband der Gewerkschaften Koreas (gegr√ľndet 1945; rd. 1,6 Mio. Mitglieder) und die Union der in der Landwirtschaft arbeitenden Menschen (gegr√ľndet 1965; rd. 2,4 Mio. Mitglieder).
 
 
Das Wappen (1948) zeigt innerhalb eines Kranzes aus Reis√§hren in einer Berglandschaft einen Staudamm mit Wasserkraftwerk und Hochspannungsmast, dar√ľber ein f√ľnfstrahliger roter Stern. Die √Ąhren werden von einem roten Band zusammengehalten, auf dem der offizielle Staatsname in HangŇ≠l (koreanische Schrift) steht.
 
Nationalfeiertage:
 
9. 9., der an die Proklamation der Demokratischen Volksrepublik Korea im Jahre 1948 erinnert.
 
 
Nordkorea ist in neun Provinzen (Do) und drei regierungsunmittelbare St√§dte (Pj√∂ngjang, Namp'o, KaesŇŹng) im Rang einer Provinz gegliedert. In den Provinzen und den untergeordneten Verwaltungsebenen existieren Volksversammlungen, Volkskomitees und Verwaltungskomitees, die zentraler Lenkung unterliegen.
 
 
Die Rechtsprechung ist wesentlich durch die sowjetische gepr√§gt. Die Gerichtsbarkeit wird an der Spitze durch den Obersten Gerichtshof ausge√ľbt, dessen Richter von der Obersten Volksversammlung f√ľr drei Jahre bestimmt werden. Neben Provinz-Gerichten sind in den Bezirken Volksgerichte eingerichtet. F√ľr Milit√§r- und Eisenbahnangeh√∂rige gibt es Sondergerichte. Aufgabe der Gerichte ist es, ¬Ľaktiv gegen Klassenfeinde und Gesetzesbrecher zu k√§mpfen¬ę. Die Verfassung sieht keine Berufungsm√∂glichkeiten vor.
 
 
Die Gesamtst√§rke der Wehrpflichtarmee (Dienstzeit beim Heer f√ľnf, in der Marine zehn und bei der Luftwaffe drei Jahre) betr√§gt etwa 1,1 Mio., die der paramilit√§rischen Einheiten (Grenzschutz und Sicherheitskr√§fte) rd. 200 000 Mann. Das Heer (fast 1 Mio. Soldaten) gliedert sich in 27 Infanterie-, f√ľnf mechanisierte und zwei Panzerdivisionen, zwei Flugabwehrdivisionen, sechs selbstst√§ndige Panzerbrigaden sowie zahlreiche weitere Regimenter/Bataillone. Die Luftwaffe hat etwa 80 000, die Marine rd. 43 000 Mann. Die Ausr√ľstung, fast ausschlie√ülich √§lteres sowjetisches Ger√§t, besteht im Wesentlichen aus 4 100 Kampfpanzern, 80 leichten Bombenflugzeugen, etwa 600 Kampfflugzeugen, drei Fregatten, 30 U-Booten, 50 Klein-U-Booten und etwa 210 Kleinen Kampfschiffen. - Etwa 12 % der Staatsausgaben werden offiziell f√ľr die Verteidigung ausgegeben.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Zur Landesnatur Korea, Halbinsel.
 
 
F√ľr die Zahl und Wachstumsrate (j√§hrlich etwa 1,61 %) der Bev√∂lkerung, die fast ausschlie√ülich aus Koreanern besteht, liegen nur Sch√§tzungen vor. Nach dem Zweiten Weltkrieg flohen etwa 2 Mio. Menschen in den S√ľden der Halbinsel, v. a. w√§hrend des Koreakrieges. Rd. 29 % der Bewohner sind unter 15 Jahre alt. Laut Gesetz vom 1. 8. 1976 wurde das Mindestheiratsalter beim Mann auf 30, bei der Frau auf 27 Jahre festgesetzt, um dadurch die maximale Nutzung der Arbeitskraft der jungen Menschen zu erreichen. Die landwirtschaftlich intensiv genutzten Ebenen im Westen des Landes weisen eine Bev√∂lkerungsdichte von √ľber 200 Einwohnern/km2 auf. Offenbar sind aber die Lebensbedingungen der Landbev√∂lkerung deutlich schlechter als die der Stadtbewohner, denn die Verbesserung der Infrastruktur auf dem Land stellt noch ¬Ľanzustrebende Ziele¬ę der n√§chsten Jahre dar. Durch die in den letzten Jahren unzureichende Lebensmittelversorgung ist ein Gro√üteil der Bev√∂lkerung unterern√§hrt. Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch.
 
Nach Angaben der UNO vergr√∂√üerte sich der Anteil der st√§dtischen Bev√∂lkerung von (1950) 31 % auf (1995) etwa 61 %. Gr√∂√üte St√§dte sind Pj√∂ngjang, HamhŇ≠ng, Ch'ŇŹngjin, Namp'o, KaesŇŹng, SinŇ≠iju, WŇŹnsan, Haeju.
 
 
Die Freiheit der Religionsaus√ľbung ist durch die Verfassung garantiert, die auch die Freiheit antireligi√∂ser Propaganda gew√§hrt. Nach Sch√§tzungen sind rd. 68 % der Bev√∂lkerung konfessionslos beziehungsweise Atheisten, rd. 15,5 % werden traditionellen koreanischen Religionen schamanistische Auspr√§gung zugerechnet. Elemente schamanistischer Volksfr√∂mmigkeit sind auch in den koreanischen Buddhismus eingeflossen, in dessen Mittelpunkt die Verehrung des Buddha Maitreya steht. Sehr kleine religi√∂se Minderheiten bilden die rd. 1,5 % Buddhisten und eine verschwindende Zahl Christen (1945 noch rd. 400 000). Die meisten Christen geh√∂ren der katholischen Kirche an und leben in und um Pj√∂ngjang. Nach Angaben der 1988 von katholischen Laien gegr√ľndeten ¬ĽKoreanische Katholische Vereinigung¬ę (Sitz: Pj√∂ngjang) gibt es √ľber 1 200 √∂ffentlich praktizierende katholische Christen in Nordkorea. Im Rahmen der gesamtkoreanischen Kirchenorganisation umfasst das nordkoreanische Staatsgebiet zwei - derzeit nicht besetzte - Bist√ľmer (Pj√∂ngjang; HamhŇ≠ng), die selbstst√§ndige Benediktinerabtei Tokwon sowie einen Teil der Kirchenprovinz Seoul. √úber Jahrzehnte von der Weltkirche isoliert, konnten erst in den 1980er-Jahren einzelne Kontakte zur katholischen Kirche in S√ľdkorea aufgenommen werden. Der Ch'ŇŹndogyo-Religion, einer neuen Religion, die buddhistische und christliche Elemente miteinander verbindet, werden 14 % der Bev√∂lkerung zugerechnet. Religi√∂se Dachverb√§nde sind die ¬ĽF√∂deration Koreanischer Buddhisten¬ę (gegr√ľndet 1945), die ¬ĽF√∂deration Koreanischer Christen¬ę (gegr√ľndet 1946) und der ¬ĽRat der koreanischen Religionsgemeinschaften¬ę (gegr√ľndet 1989), alle mit Sitz in Pj√∂ngjang.
 
 
Nach obligatorischem Vorschulunterricht (ein Jahr) wird - bei zehnj√§hriger Schulpflicht - vier Jahre die Volksschule und sechs Jahre die Oberschule besucht. In weiteren vier Jahren wird die Hochschulreife erreicht. Bereits ab der Grundschule kann auch eine sprachlich oder k√ľnstlerisch orientierte Schullaufbahn begonnen werden. Analphabetismus gibt es praktisch nicht mehr (1 %). Die Erwachsenenbildung ist v. a. Arbeiterbildung; nach Erlernen des Grund- und Mittelschulstoffs folgt Fernunterricht (Oberschule), anschlie√üend kann die technische Arbeiterhochschule besucht werden. In Pj√∂ngjang gibt es u. a. je eine Universit√§t (gegr√ľndet 1946), TU, wissenschaftliche Akademie und Parteihochschule.
 
 
Nach der Verfassung ist in Nordkorea die Pressefreiheit garantiert; die Beitr√§ge in den Medien weichen jedoch nicht von der offiziellen politischen Auffassung ab. Die Tagespresse erscheint in der Hauptstadt mit landesweiter Verbreitung, so u. a. das Zentralorgan der koreanischen KP ¬ĽRodong Shinmun¬ę (¬ĽArbeiterzeitung¬ę), das Regierungsblatt ¬ĽMinju ChosŇŹn¬ę (¬ĽDemokratisches Korea¬ę), das Gewerkschaftsblatt ¬ĽRodongja Shinmun¬ę, das Nachmittagsblatt ¬ĽPj√∂ngjang Shinmun¬ę. In englischer, spanischer und franz√∂sischer Sprache erscheint das Wochenblatt ¬ĽThe Pyongyang Times¬ę. Staatliche Nachrichtenagentur ist ¬ĽChung Yang Tong Shin/Korean Central News Agency¬ę (KCNA), die u. a. auch t√§glich ein Bulletin in mehreren Sprachen herausgibt. H√∂rfunk und Fernsehen wird durch das Zentralkomitee des koreanischen Rundfunks betrieben. ¬ĽChosŇŹn Chung-ang Pangsong¬ę (Koreanischer Zentralrundfunk) sendet ein landesweites Programm und mehrere Regional- und Lokalprogramme sowie f√ľr das Gebiet der Hauptstadt ¬ĽPj√∂ngjang Pangsong¬ę (Radio Pj√∂ngjang). Der Auslandsdienst des Zentralrundfunks verbreitet Programme in acht Sprachen, darunter in Deutsch. Der Zentralrundfunk betreibt ferner das 1. Fernsehprogramm; f√ľr das 2. Fernsehprogramm hat das Post- und Fernmeldeministerium 1983 die Betriebsgesellschaft ¬ĽMansudae Television Station¬ę errichtet, die Kulturprogramme und ausl√§ndische Spielfilme sendet.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Die Wirtschaft wird seit 1946 von einer zentralstaatlichen Planungskommission kontrolliert. Mit einem gesch√§tzten Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner von (1995) 723 US-$ z√§hlt Nordkorea zu den Entwicklungsl√§ndern mit mittlerem Einkommen. Die bis zum Zusammenbruch des Ostblocks geleistete Wirtschaftshilfe durch China und Russland, mit denen auch der gr√∂√üte Teil des Au√üenhandels get√§tigt wurde, ist weitgehend eingestellt worden. Damit verbunden trat ab 1990 eine allgemeine Verschlechterung der Wirtschaftslage ein. Seit 1995 liefert China zwar wieder teilweise zu ¬ĽFreundschaftspreisen¬ę, aber hochwertige Rohstoffe (Energietr√§ger) und Maschinen werden gegen Devisen (US-$) verrechnet. 1995 und 1996 haben verheerende √úberschwemmungen gro√üe Teile der Agrarfl√§chen zerst√∂rt und dadurch akuten Nahrungsmittelmangel ausgel√∂st, der sich durch die von der extremen Trockenheit 1997 verursachten D√ľrresch√§den inzwischen zu einer Hungersnot ausgeweitet hat. Eine Verbesserung der unzureichenden Versorgungslage kann zurzeit nur √ľber internationale Nahrungsmitteldirekthilfen angestrebt werden.
 
 
Ein F√ľnftel der Gesamtfl√§che wird landwirtschaftlich genutzt, eine Ausdehnung der Anbaufl√§che ist nur mit hohem Aufwand (besonders durch Eindeichung von Marschland an der Westk√ľste) zu erzielen. Nahezu die H√§lfte der Ackerfl√§che (1995: 1,7 Mio. ha nach Flutsch√§den) wird k√ľnstlich bew√§ssert (rd. 40 000 km Bew√§sserungskan√§le), v. a. f√ľr den Anbau von Reis, der mehr als ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfl√§che einnimmt (Erntemenge 1993: 19,32 Mio. t; durch D√ľrresch√§den 1997 15 % Ernteeinbu√üe). Nach wie vor bleibt die Unterversorgung der Bev√∂lkerung bestehen. Weitere wichtige Agrarprodukte sind Mais (durch Trockenheit 1997 70 % der Pflanzungen zerst√∂rt), Kartoffeln, Weizen, Gerste, Hirse, H√ľlsenfr√ľchte, Sojabohnen, Obst (v. a. √Ąpfel, Melonen, Birnen), Gem√ľse (v. a. Kohl) und Tabak. Der besonders im S√ľdwesten kultivierte Ginseng sowie die Seidenraupenzucht sind f√ľr den Export wichtig. Die fr√ľher kaum entwickelte Viehwirtschaft (v. a. Schweine-, Rinder- und Gefl√ľgelzucht) gewinnt f√ľr die Ern√§hrung der Bev√∂lkerung an Bedeutung, ist aber infolge der Missernten stark beeintr√§chtigt. Es fehlt an Saatgut, D√ľnger und an Futtermitteln f√ľr die Tierhaltung. Nachdem 1946 durch eine Bodenreform √ľber 50 % des gesamten Ackerlandes an Landarbeiter, P√§chter und Kleinbauern verteilt worden waren (H√∂chstgrenze des Grundbesitzes 5 ha), wurde die Landwirtschaft 1954-58 kollektiviert. Rd. 90 % der landwirtschaftlichen Nutzfl√§che werden nun von rd. 3 800 Produktionsgenossenschaften, 5 % in rd. 180 Staatsg√ľtern bewirtschaftet; etwa 5 % verblieben den Bauern als Eigentum.
 
 
Die Waldbestände (rd. 9 Mio. ha) wurden u. a. durch Kriegszerstörungen stark dezimiert. Der Holzeinschlag dient zu fast 90 % als Brennholz.
 
 
Die Fischerei wird v. a. von staatlichen und genossenschatlichen Betrieben durchgef√ľhrt. Seit dem 1. 8. 1977 beansprucht der Staat innerhalb 200 Seemeilen vor den K√ľsten das alleinige Fischereirecht.
 
 
Die Entwicklung von Bergbau und Industrie wurde schon w√§hrend der japanischen Herrschaft begonnen und im Rahmen der Planwirtschaft fortgef√ľhrt. Trotz vielseitiger Rohstoffvorkommen stagniert die Industrialisierung durch die Schwerf√§lligkeit der sozialistischen zentralen Planwirtschaft. Gef√∂rdert werden Steinkohle (1994: 27,1 Mio. t), Braunkohle, Eisenerz (1994: 4,76 Mio. t Fe-Inhalt) und NE-Metalle, besonders Zinkerz (225 000 t Zn-Inhalt) und Bleierz (85 000 t Pb-Inhalt). Weitere Bodensch√§tze sind u. a. Magnesit, Wolfram, Graphit, Kupfer, Silber, Gold, Phosphat.
 
 
Die wichtigen Industriestandorte liegen im Westen (ShinŇ≠iju, Pj√∂ngjang, Haeju u. a.) sowie an der Ostk√ľste (Ch'ŇŹngjin, Kimch'aek, HŇ≠ngnam, WŇŹnsan). Gegen√ľber dem Ausbau der Schwer- und Investitionsg√ľterindustrien (Erzverh√ľttung, Maschinen- und Fahrzeugbau, chemische Industrie, Schiffbau) blieb die Entwicklung der konsumorientierten Produktionen zur√ľck; erst seit den 70er-Jahren findet die Herstellung von Konsumg√ľtern mehr Beachtung (v. a. Textil-, Nahrungs- und Genussmittelindustrie). Durch die mangelhafte Energieversorgung sind viele Industrieunternehmen nicht funktionsf√§hig.
 
 
Seit 1975 weist die Handelsbilanz ein zunehmendes Defizit auf (1987: Exportwert 1,8 Mrd. US-$, Importwert 2,5 Mrd. US-$; 1995: Exportwert 440 Mio. US-$, Importwert 1,15 Mrd. US-$). Bedeutende Handelspartner sind seit dem Zusammenbruch des Handels mit den ehemaligen Ostblockl√§ndern die Staaten China, Japan und S√ľdkorea (√ľber Drittl√§nder). Es werden v. a. NE-Metalle und Rohstoffe exportiert. Durch Bezug von Industrieausr√ľstungen, v. a. aus Japan, hat sich der Staat zu Beginn der 70er-Jahre hoch verschuldet und kann seit Mitte der 80er-Jahre seinen internationalen Zahlungsverpflichtungen nicht in vollem Umfang nachkommen (eine Ausnahme bildet aber offensichtlich China). Die Auslandsverschuldung wird auf (1993/94) 10,3 Mrd. US-$ gesch√§tzt. Nach dem Wegfall der Wirtschaftshilfe wickelt Russland seinen Warenaustausch mit Nordkorea im gemeinsamen Grenzgebiet ab. Nord-Korea versucht verst√§rkt die Wirtschaftssonderzone Rajin-Sonbong (M√ľndungsgebiet des Tumen) f√ľr ausl√§ndische Investoren attraktiv zu machen, erste Investitionszusagen in H√∂he von rd. 840 Mio. US-$ lagen 1996 vor.
 
Verkehr:
 
Das Verkehrsnetz ist relativ gut entwickelt. Wichtigstes Transportmittel ist die Eisenbahn; sie bew√§ltigt rd. 90 % des G√ľter- und 70 % des Personenverkehrs. Das (1994) 5 045 km lange Streckennetz ist zu rd. 60 % elektrifiziert. Eisenbahnverbindungen bestehen auch nach China (seit 1983) und nach Russland (seit 1987). Der Stra√üenverkehr (1994 rd. 23 000 km Stra√üen, einschlie√ülich 240 km Autobahn zwischen Pj√∂ngjang und WŇŹnsan) ist von untergeordneter Bedeutung. Wichtige Seeh√§fen sind Namp'o (Hafen von Pj√∂ngjang), WŇŹnsan, HŇ≠ngnam, Ch'ŇŹngjin und Najin. Pj√∂ngjang besitzt einen internationalen Flughafen.
 
 Geschichte:
 
Zur Entwicklung bis 1948 Korea (Halbinsel). Nach dem Koreakrieg (1950-53) konzentrierte sich die herrschende Partei der Arbeit Koreas (PdAK) unter der F√ľhrung Kim Il Sungs (1948-72 auch Ministerpr√§sident) auf den raschen Wiederaufbau des Landes mit sowjetischer und chinesischer Hilfe; durch ¬ĽS√§uberungen¬ę in der Partei schaltete Kim Il Sung seine Gegner und Konkurrenten auf dem Weg zur unumschr√§nkten Alleinherrschaft aus.
 
Auf den machtpolitisch-ideologischen Konflikt zwischen China und der Sowjetunion reagierte Nordkorea mit der von Kim Il Sung entwickelten ¬ĽJuche¬ę(¬ĽEigenst√§ndigkeits¬ę)-Ideologie, die eine gr√∂√üere politische Unabh√§ngigkeit, wirtschaftliche Selbstst√§ndigkeit und ¬Ľnationale Selbstverteidigung¬ę propagierte und in den Rang einer (quasireligi√∂sen) Staatsdoktrin erhoben wurde. Nach Verabschiedung einer neuen Verfassung (1972) √ľbernahm Kim Il Sung das Amt des Staatspr√§sidents Um Kim Il Sung (tituliert als ¬ĽGro√üer F√ľhrer¬ę) entwickelte sich ein ma√üloser, das gesamte √∂ffentliche Leben erfassender Personenkult, der sich sp√§ter auch auf seinen (seit 1979/80 als Nachfolger designierten) Sohn Kim Jong Il (¬ĽGeliebter F√ľhrer¬ę) ausweitete. Au√üenpolitisch und wirtschaftlich st√ľtzte sich Nordkorea stark auf die Sowjetunion (1961 Abschluss eines Vertrages √ľber Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand, 1967 neues Verteidigungs- und Wirtschaftsabkommen), aber auch auf China, mit dem es 1961 ebenfalls einen Freundschaftsvertrag geschlossen hatte; es suchte durch eine geschickte ¬ĽSchaukelpolitik¬ę zwischen beiden einen eigenen Kurs zu steuern. Auch nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem Zerfall der Sowjetunion hielt das - nach au√üen hin fast hermetisch abgeschlossene - Nordkorea zun√§chst starr an seiner orthodoxen kommunistischen Politik fest; es erhielt lediglich noch von China, seinem nunmehr wichtigsten B√ľndnispartner, nennenswerte (aber reduzierte) Wirtschaftshilfe. Kim Jong Il trat politisch immer st√§rker in den Vordergrund (seit 1990 Vorsitzender des Verteidigungskomitees, seit 1991 Oberbefehlshaber der Armee). Im Dezember 1993 gab Nordkorea erstmals in der √Ėffentlichkeit zu, mit einer starken Wirtschaftskrise konfrontiert zu sein. Nach den schweren √úberschwemmungen von 1995/96 und den D√ľrresch√§den von 1997 brach eine zahlreiche Opfer fordernde Hungerkatastrophe aus (nach nordkoreanischen offiziellen Angaben bis 1999 etwa 220 000, nach westlichen Sch√§tzungen m√∂glicherweise 3 Mio. Hungertote); verschiedene Staaten, besonders S√ľdkorea, und Hilfsorganisationen versuchten durch Nahrungsmittellieferungen die schlimmste Not zu lindern.
 
Nach dem Tod Kim Il Sungs im Juli 1994, dem Massenkundgebungen nationaler Trauer und eine offizielle dreij√§hrige Trauerzeit folgten, √ľbernahm sein Sohn Kim Jong Il faktisch die Nachfolge; er wurde im Oktober 1997 Generalsekret√§r der PdAK und im September 1998 auch Vorsitzender des neu geschaffenen, zum h√∂chsten Machtorgan deklarierten Nationalen Verteidigungsausschusses. Schon 1997 war ein neuer Kalender eingef√ľhrt worden (Beginn mit dem Geburtsjahr Kim Il Sungs 1912, gez√§hlt in ¬ĽJuche¬ę).
 
Am 17. 9. 1991 wurde Nordkorea zusammen mit S√ľdkorea in die UNO aufgenommen. Nachdem Nordkorea im M√§rz 1993 Sonderinspektionen von Atomanlagen durch die IAEA abgelehnt und mit der K√ľndigung des Kernwaffensperrvertrags gedroht hatte, kam es zu einem politisch-diplomatischen Konflikt v. a. mit den USA. Nach langwierigen Verhandlungen, in die der fr√ľhere amerikanische Pr√§sident J. Carter eingeschaltet worden war, schlossen beide Staaten am 21. 10. 1994 ein Rahmenabkommen, das eine grundlegende Umstrukturierung des nordkoreanischen Atomprogramms binnen zehn Jahren vorsah. Nordkorea verpflichtete sich im Gegenzug f√ľr die zugesagte Unterst√ľtzung, die laufende Atomproduktion einzufrieren und den Kernwaffensperrvertrag einzuhalten. Das Verh√§ltnis zu Japan wurde im August 1998 durch den Abschuss einer nordkoreanischen Rakete, die den Nordosten Japans √ľberquerte, erneut belastet (erst im Dezember 1999 Aufhebung der japanischen Sanktionen); Verhandlungen √ľber eine Normalisierung der beiderseitigen Beziehungen f√ľhrten im April 2000 zun√§chst zu keiner Einigung.
 
Die zu Beginn der 1970er-Jahre schleppend wieder aufgenommenen Regierungs-Kontakte zwischen Nord- und S√ľdkorea brachen danach f√ľr lange Zeit wieder ab und wurden - mit dem langfristigen Ziel einer Wiedervereinigung - erst seit 1990 wieder intensiviert; der Versuch einer Ann√§herung erlitt aber mehrfach R√ľckschl√§ge. 1997 vereinbarten die beiden koreanischen Staaten sowie die USA und China die Vorbereitung direkter Friedensverhandlungen; mehrere Verhandlungsrunden wurden durchgef√ľhrt. Nachdem Kim Jong Il angesichts der wirtschaftlichen Notlage seines Landes und der Ausweglosigkeit der selbst betriebenen internationalen Isolierung im April 2000 einer entsprechenden Initiative des s√ľdkoranischen Pr√§sidenten Kim Dae Jung zugestimmt hatte, fand vom 12. bis 14. 6. 2000 in Pj√∂ngjang das erste innerkoreanische Gipfeltreffen statt, das eine Wiederann√§herung der beiden koreanischen Staaten einleitete (Korea, Halbinsel). Die innerkoreanische Verst√§ndigung kam danach aber nur schleppend voran und wurde immer wieder von Zwischenf√§llen √ľberschattet (z. B. am 29. 6. 2002 Seegefecht zwischen Schiffen beider Staaten im Gelben Meer). Wesentliche Impulse auf das beiderseitige Verh√§ltnis gingen dabei von einer modifizierten Au√üenpolitik der USA aus, deren Pr√§sident G. W. Bush (seit 2001) wieder eine h√§rtere Haltung gegen√ľber Nordkorea einnahm und dieses im Rahmen des Antiterrorkampfes Anfang 2002 sogar zum Bestandteil einer ¬ĽAchse des B√∂sen¬ę erkl√§rte. Erst Ende Juli 2002 verst√§ndigten sich die USA und Nordkorea auf eine Wiederaufnahme des Dialogs.
 
 
R. A. Scalapino u. C.-S. Lee: Communism in K., 2 Bde. (Berkeley, Calif., 1971);
 N. Eberstadt u. J. Banister: The population of North Korea (Berkeley, Calif., 1992);
 M. Pohl: Korean. Volksdemokrat. Rep. (Nordkorea), in: Hb. der Dritten Welt, hg. v. D. Nohlen u. F. Nuscheler, Bd. 8: Ostasien u. Ozeanien (31994);
 F. Nuscheler:K., Demokrat. VR, in: Asien, Pazifik. Wirtschaftshandbuch. Jahresbericht 1996 (1996).
III
Korea,
 
 
 
Fläche: 99 392 km2
 
Einwohner: (2000) 47,3 Mio.
 
Hauptstadt: Seoul
 
Amtssprache: Koreanisch
 
 
W√§hrung: 1 Won (‚ā©) = 100 Chon
 
Zeitzone: 2000 Seoul = 1200 MEZ
 
S√ľdkorea, amtlich koreanisch Taehan Minguk [d…õ-], deutsch Republik Korea, Staat in Ostasien, umfasst die Halbinsel Korea s√ľdlich der Demarkationslinie am 38. Breitengrad sowie die vorgelagerten rd. 3 500 Inseln (gr√∂√üte ist Cheju-do); grenzt im Westen an das Gelbe Meer, im S√ľden an die Koreastra√üe, im Osten an das Japanische Meer und im Norden an Nordkorea, 99 392 km2, (2000) 47,3 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Seoul, Amtssprache Koreanisch. W√§hrungseinheit: 1 Won (‚ā©) = 100 Chon. Zeitzone: Mittlere Japanzeit (2000 Seoul = 1200 MEZ).
 
 Staat und Recht:
 
 
Nach der am 27. 10. 1987 durch Referendum angenommenen und am 25. 2. 1988 in Kraft getretenen Verfassung ist S√ľdkorea eine pr√§sidiale Republik. Staatsoberhaupt und oberster Inhaber der Exekutive ist der auf f√ľnf Jahre direkt gew√§hlte Pr√§sident (Wiederwahl nicht m√∂glich), der v. a. in Konflikt- und Spannungszeiten wichtige Machtbefugnisse besitzt. Der Pr√§sident ernennt den Premierminister und die √ľbrigen Mitglieder des Staatsrats (Kabinett). Tr√§gerin der Legislative ist die Nationalversammlung, ein Einkammerparlament, dessen 273 Abgeordnete f√ľr eine Legislaturperiode von vier Jahren gew√§hlt werden (Wahlrecht ab dem 20. Lebensjahr). Das Parlament hat u. a. das Recht, den Pr√§sidenten wegen Rechtsbr√ľchen anzuklagen, Untersuchungen durchzuf√ľhren und dem Pr√§sidenten die Entlassung des Premierministers oder einzelner Minister zu empfehlen. Die Verfassung verk√ľndet als allgemeine Ziele die friedliche Wiedervereinigung der koreanischen Nation und die politische Neutralit√§t der Streitkr√§fte.
 
Parteien:
 
Einflussreichste Parteien sind die Gro√üe Nationalpartei (GNP; 1997 aus Fusion von Demokratischer Partei und Neuer Korea-Partei hervorgegangen), die Demokratische Millenniumspartei (MDP; Nachfolgerin des Nationalkongresses f√ľr neue Politik, NCNP), die Vereinigte Liberale Demokraten (ULD) und die Neue Volkspartei (NPP).
 
 
In S√ľdkorea existieren rd. 7 500 Einzelgewerkschaften mit (1995) 1,63 Mio. Mitgliedern, die in zwei Dachverb√§nden, der Federation of Korean Trade Unions (FKTU; gegr√ľndet 1961) und der Korean Confederation of Trade Unions (KCTU; gegr√ľndet 1995, bisher nicht legalisiert) zusammengeschlossen sind.
 
 
Das Wappen zeigt das alte, mystische Symbol ¬ĽTaeguk¬ę. Es ist umgeben von Bl√§ttern einer Hibiskusbl√ľte, diese von einem kreisf√∂rmigen, nicht ganz geschlossenen schmalen wei√üen Band, in dessen unterem Teil der offizielle Staatsname in koreanischer Schrift steht. In den vier Ecken der Flagge sind um das Taeguk ¬ĽTrigramme¬ę angebracht, die Himmel, Erde, Feuer und Wasser symbolisieren.
 
Nationalfeiertage:
 
Nationalfeiertag ist der 15. 8., zur Erinnerung an die Ausrufung der Republik Korea 1948.
 
 
S√ľdkorea ist in neun Provinzen (Do) mit Unterteilung in 139 Distrikte (Gun) und 57 St√§dte (Si) gegliedert; ferner gibt es sechs St√§dte (Seoul, Pusan, Taegu, Inch'«ín, Kwangju und Taej«ín) mit Provinzstatus.
 
 
Bereits in der KoryŇŹzeit (918-1392) gab es einen geschriebenen Rechtskodex, der in Fragmenten erhalten ist. Bis zur japanischen Besetzung (1910) bestand das koreanische Recht fast ausschlie√ülich aus ungeschriebenem Gewohnheitsrecht. Das neue koreanische Rechtssystem hat vom deutschen Recht wesentliche Impulse erfahren.
 
An der Spitze der Gerichtsbarkeit steht der Oberste Gerichtshof (höchstens 14 Richter, Ernennung des Vorsitzenden durch den Präsidenten im Einvernehmen mit dem Parlament). Als Instanzgerichte sind Appellationsgerichtshöfe, Distrikt- und Familiengerichte eingerichtet. Es gibt auch eine eigenständige Militärgerichtsbarkeit. Eine Sonderstellung nimmt der Verfassungsgerichtshof ein.
 
 
Die Gesamtst√§rke der Wehrpflichtarmee (Dienstzeit zwischen 26 und 30 Monaten) betr√§gt 630 000, die des paramilit√§rischen Zivilverteidigungskorps etwa 3 Mio. Mann. Bis 2000 ist die Reduzierung der Truppenst√§rke auf 420 000 Mann vorgesehen. Das Heer (520 000 Soldaten) verf√ľgt √ľber 19 Infanterie- und drei mechanisierte Divisionen, neun Luftlandebrigaden, sechs selbstst√§ndige Infanteriebrigaden sowie sieben Brigaden Spezialkr√§fte. Die Luftwaffe hat 50 000, die Marine 60 000 Mann. Die Ausr√ľstung (vorwiegend amerikanischer Herkunft) umfasst im Wesentlichen etwa 1 500 Kampfpanzer (1 000 M-48, 500 St√ľck des modernen koreanischen Typs 88 K-1), rd. 400 Kampfflugzeuge (160 F-4 Phantom, 200 F-5, 40 F-16), neun Zerst√∂rer, 35 Fregatten/Korvetten, drei U-Boote sowie etwa 70 Kleine Kampfschiffe. - Etwa 30 % der Staatsausgaben werden f√ľr die Verteidigung verwendet. Die USA, mit denen seit 1954 ein bilaterales Verteidigungsb√ľndnis besteht, haben auf in S√ľdkorea etwa 35 000 Soldaten und rd. 100 Kampfflugzeuge stationiert, die jedoch weitgehend abgezogen werden sollen.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Zur Landesnatur Korea, Halbinsel.
 
 
Die Bev√∂lkerung besteht wie in Nordkorea fast ausschlie√ülich aus Koreanern; die wenigen Ausl√§nder sind haupts√§chlich Chinesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Koreaner aus √úbersee zur√ľck, v. a. aus Japan (etwa 1 Mio.), weitere 2 Mio. Menschen fl√ľchteten aus Nordkorea in den S√ľden, besonders w√§hrend des Koreakrieges. In den etwa 45 als st√§dtisch bezeichneten Gemeinden mit mehr als 50 000 Einwohnern lebten 1970 41 %, 1985 65 % und 1995 84% der Bev√∂lkerung Die allgemeine Wachstumsrate, bis 1960 rd. 3 % pro Jahr, sank infolge staatlicher Familienplanungspolitik auf 1 % im Zeitraum 1985-94. Etwa 1,6 Mio. Koreaner leben im Ausland, v. a. in Japan, den USA und Kanada. Am st√§rksten sind der Westen und S√ľden von S√ľdkorea bev√∂lkert.
 
 
Die Religionsfreiheit ist durch die Verfassung garantiert. Alle Religionsgemeinschaften sind rechtlich gleichgestellt. Nach staatlichen Angaben sind rd. 37,8 % der Bev√∂lkerung Christen; 31,2 % geh√∂ren verschiedenen protestantischen Kirchen und Gemeinschaften (Baptisten, Methodisten, Presbyterianer, Pfingstler, unabh√§ngige koreanische Kirchen) und der anglikanischen Kirche der Provinz Korea (1993 errichtet) an, 6,6 % der katholischen Kirche (Kirchenprovinzen Kwangju, Seoul und Taegu mit elf Suffraganbist√ľmern). Rd. 23 % sind Buddhisten; 19,4 % bekennen sich zum Mahayana-Buddhismus (rd. 30 000 ordinierte M√∂nche), 2,6 % geh√∂ren dem von Soe Tae San (* 1891, ‚úĚ 1943) als buddhistische Volksbewegung begr√ľndeten Won-Buddhismus an (rd. 8 300 M√∂nche), 1 % der unter der japanischen Herrschaft entstandenen Taejong-Kyo-Schule (rd. 230 M√∂nche). Zu einem religi√∂s gepr√§gten Konfuzianismus bekennen sich 22,1 %. Etwa 10 % der Bev√∂lkerung werden traditionellen koreanischen Religionen schamanistische Auspr√§gung zugerechnet. Unter den in Korea entstandenen neuen Religionen erlangte neben der Ch'ŇŹndogyo-Religion (rd. 2,4 % der Bev√∂lkerung) besonders die Vereinigungskirche Bedeutung. - Die katholische Mission in Korea setzte Ende des 18. Jahrhunderts, die protestantische im 19. Jahrhundert ein. Seit 1945 sind die christlichen Kirchen im starken Wachstum begriffen. Aus den entstandenen protestantischen Missionskirchen gingen zahlreiche unabh√§ngige koreanische Kirchen hervor. Die auf ihrem Boden entwickelte eigenst√§ndige Theologie wurde √ľber S√ľdkorea hinaus v. a. durch die Theologin H. K. Chung bekannt.
 
 
Traditionell hat die - konfuzianisch gepr√§gte (z. B. wird auch heute neben der einfachen HangŇ≠l die komplizierte chinesische Schrift unterrichtet) - Bildung einen hohen Stellenwert, sie ist erfolgreich durch berufliche Bildungswege erg√§nzt worden. Die allgemeine Schulpflicht betr√§gt neun Jahre. Der sechsj√§hrigen Grundstufe folgt die dreij√§hrige Mittelstufe. Dieser schlie√üt sich eine dreij√§hrige (freiwillige) Oberstufe an. Von Ober- und Mittelschule ist der √úbergang in ein Hoch- oder Fachhochschulstudium m√∂glich, d. h. an einem Juniorcollege (zwei Jahre) oder an einer wissenschaftlichen Hochschule. Die Analphabetenquote betr√§gt 2 %. Es gibt √ľber 120 Institutionen mit Hochschulrang, davon in Seoul 22 Universit√§ten und Hochschulen sowie die Nationalakademien der K√ľnste und der Wissenschaften.
 
 
Die etwa 15 hauptst√§dtischen Tageszeitungen sind landesweit verbreitet, unter ihnen erreichen eine Auflage von √ľber 1 Mio. Exemplaren ¬ĽChosŇŹn Ilbo¬ę, ¬ĽDong-a Ilbo¬ę, ¬ĽHankook Ilbo¬ę und ¬ĽJoong-ang Ilbo¬ę. Daneben erscheinen mehrere Regionalzeitungen sowie zahlreiche Zeitschriften und Periodika. In englischer Sprache erscheint u. a. ¬ĽThe Korea Times¬ę und ¬ĽThe Korea Herald¬ę. Nachrichtenagenturen sind ¬ĽNaewoe Press¬ę und ¬ĽYonhap News Agency¬ę. H√∂rfunk und Fernsehen: Die √∂ffentliche K√∂rperschaft ¬ĽKorean Broadcasting System¬ę (KBS) verbreitet allgemeine Programme und Bildungsprogramme sowie neben drei Fernsehprogrammen auch den Rundfunk-Auslandsdienst ¬ĽRadio Hanguk/Radio Korea¬ę in neun Sprachen, u. a. in Deutsch. Die private ¬ĽMunhwa Pangsong Sa/Munhwa Broadcasting Corporation¬ę (MBC), der im H√∂rfunkbereich 19 Lokalstationen angeschlossen sind, sendet ein landesweites Programm und zahlreiche Lokalprogramme. Daneben gibt es religi√∂se und schulische H√∂rfunksender.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Mit Beginn der 1960er-Jahre hat S√ľdkorea die Kriegssch√§den weitgehend beseitigt und sich mit ausl√§ndischer Hilfe und aufgrund einer exportorientierten Entwicklungsstrategie von einem Agrar- zu einem Industriestaat gewandelt. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen am Bruttosozialprodukt von (1995) 10 076 US-$ (1960: 80 US-$) z√§hlt S√ľdkorea zu den s√ľdostasiatischen Schwellenl√§ndern (¬ĽKleine Tiger¬ę) und wird zu den Entwicklungsl√§ndern mit h√∂herem Einkommen gerechnet. Das Wirtschaftssystem ist marktwirtschaftlich ausgerichtet, jedoch mit einer starken indirekten staatlichen Lenkung und Kontrolle. Das Wirtschaftswachstum mit hohen Zuwachsraten (Mitte 1995 real 9 %) h√§lt weiter an. Wegen der niedrigen Arbeitslosenquote (1995 etwa 2 %) sind ausl√§ndische Arbeitskr√§fte aus China, Malaysia und Indonesien in S√ľdkorea t√§tig. S√ľdkoreas Wirtschaft wird seit Beginn der 1990er-Jahre durch mehrere Korruptionsaff√§ren belastet. Die Gesamtsummen an Bestechungsgeldern werden auf 20 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gesch√§tzt.
 
 
Nur etwa 22 % der Landesfl√§che sind landwirtschaftlich nutzbar. Infolge des rapide wachsenden Industriesektors sank der Anteil der Landwirtschaft am BIP im Zeitraum 1965-94 von 38 % auf 7 %. Noch 14 % der Erwerbst√§tigen sind im Agrarbereich t√§tig (1965: 55 %). Die Durchschnittsgr√∂√üe der meist kleinb√§uerlichen Betriebe liegt bei 1 ha. Neben dem Hauptnahrungsmittel Reis, der auf 65 % der landwirtschaftlichen Nutzfl√§che, v. a. auf Nassfeldern, vom Staat hoch subventioniert, kultiviert wird (Erntemenge 1993: 5,3 Mio. t), sind Gerste, Bataten, Kartoffeln, Zwiebeln, Melonen und √Ąpfel die wichtigsten Anbauprodukte. Die Versorgung der Bev√∂lkerung mit Getreide ist nicht sichergestellt. Bis 1994 waren Reisimporte verboten. Erst durch den Abschluss der Uruguay-Runde der GATT-Mitglieder Ende 1993 wurden die Grenzen wieder f√ľr Reisimporte ge√∂ffnet. Tabak und Ginseng unterliegen einem staatlichen Ankaufsmonopol. Die Viehwirtschaft ist relativ unbedeutend. Rinder dienen v. a. als Zugtiere. Gro√üe wirtschaftliche Bedeutung hat dagegen die Seidenraupenzucht.
 
 
Die Forstwirtschaft spielt nur eine untergeordnete Rolle. Die Waldfl√§che (1992: 6,5 Mio. ha) besteht zum gr√∂√üten Teil aufgrund langj√§hrigen Raubbaus und infolge der Kriegseinwirkungen (1950-53) nur aus Buschwald. Aufforstungen werden seit den 1960er-Jahren durchgef√ľhrt. Der Holzeinschlag lag 1993 bei 6,5 Mio. m3 (zu 70 % Brennholz).
 
 
Mit einer Fangmenge von (1993) 3,34 Mio. t Fisch ist das von fischreichen Gew√§ssern umgebene S√ľdkorea eines der f√ľhrenden Fischfangl√§nder der Erde; die Hochseefischerei im Pazifischen, Indischen und Atlantischen Ozean ist jedoch bedeutender als die in den angrenzenden Gew√§ssern. Fischereizentren mit Fisch verarbeitender Industrie sind Ulsan und Masan.
 
 
Verglichen mit Nordkorea ist S√ľdkorea rohstoffarm. Gef√∂rdert werden neben Steinkohle (1993: 9,4 Mio. t) v. a. Eisen-, Zink-, Blei- und Wolframerz sowie Silber, Gold und Graphit. Jedoch haben 1996 Geologen im S√ľden von S√ľdkorea die gr√∂√üten Titanvorkommen der Erde entdeckt, die 2 Mrd. t Titan enthalten (die dreifache Menge der bisher bekannten weltweiten Titanfunde).
 
 
In Kori bei Pusan wurde 1978 das erste koreanische Kernkraftwerk in Betrieb genommen; 1996 arbeiteten zehn Werke mit einer installierten Leistung von insgesamt 8 616 MW. Damit liegt S√ľdkorea weltweit an 10. Stelle derjenigen L√§nder, die Strom durch Kernenergie erzeugen. Ihr Anteil an der Elektrizit√§tserzeugung lag 1993 bei 40 %; auf Erd√∂l entfielen 28,5 % und auf Kohle 13 %.
 
 
Das produzierende Gewerbe tr√§gt mit (1994) 41 % zur Entstehung des BIP bei (1965: 25 %), wovon nur ein kleiner Teil auf den Bergbau und die Energiewirtschaft entf√§llt, und besch√§ftigt 33 % der Erwerbst√§tigen (1965: 15 %). Haupttr√§ger des wirtschaftlichen Aufschwungs ist das verarbeitende Gewerbe, wobei der Leichtindustrie (Textilien, Bekleidung, Schuhe, Spielzeug, Nahrungsmittel) v. a. in der Anfangsphase, der Schwerindustrie (Eisen- und Stahlerzeugung), der petrochemischen Industrie, dem Maschinen-, Schiff- und Fahrzeugbau in den 1970er-Jahren die dominierenden Rollen zukamen. Seit 1980 ist der Schiffbau einer der vorherrschenden Wirtschaftszweige; hinsichtlich der Anzahl der gebauten Schiffe steht das Land weltweit an zweiter Stelle. Die Automobilindustrie (1996 weltweit an siebter Stelle beim Automobilbau) begann 1986 mit dem Pkw-Export in die USA. Auch in der chemischen und der Elektronikindustrie (v. a. Computer, Halbleiter, Unterhaltungselektronik, Mikrowellenherde) avancierte Korea in den 1980er-Jahren zu einem der f√ľhrenden Industriestaaten. Neuerdings belasten Aufwertung des Won, Importrestriktionen der Abnehmerl√§nder und gestiegene Arbeitskosten v. a. die Entwicklung in der arbeitsintensiven Leichtindustrie. Kennzeichnend f√ľr die Unternehmensstruktur sind gro√üe Mischkonzerne (Chaebol) und eine Vielzahl von Kleinbetrieben. Die zehn gr√∂√üten Chaebols erwirtschaften rd. 60 % des Bruttosozialproduktes
 
 
Hauptanziehungspunkte f√ľr ausl√§ndische Besucher sind die Hauptstadt Seoul, die buddhistischen Tempel in KyŇŹngju, das Bergland sowie die rund 100 km vor der S√ľdk√ľste gelegene Insel Cheju-do, die zu einem Touristenzentrum ausgebaut wurde. 1970-94 ist die Zahl der Auslandsbesucher von 200 000 auf 3,6 Mio. angestiegen. Die meisten ausl√§ndischen Touristen kommen aus Japan (43 %), den USA und Taiwan.
 
 
S√ľdkorea z√§hlt mit einem Anteil am Weltexport von (1995) 2,75 % zu den gro√üen Welthandelsl√§ndern (12. Rang). Die Auslandsverschuldung erreichte 1995 78,4 Mrd. US-$. In den meisten Jahren ist die Handelsbilanz defizit√§r (1995: Einfuhr 135,2 Mrd. US-$, Ausfuhr 125,5 Mrd. US-$). Ausgef√ľhrt werden v. a. elektronische Bauteile, Textilien und Bekleidung, Schiffe, Kraftfahrzeuge, Eisen und Stahl, Telekommunikations-Ausr√ľstungen, B√ľromaschinen und Chemikalien. Eingef√ľhrt werden Maschinen und Transportausr√ľstungen, industrielle Konsumg√ľter, Brennstoffe, Chemieprodukte, Rohstoffe und Lebensmittel. 1995 waren die USA, die Volksrepublik China und Deutschland die wichtigsten Handelspartner.
 
Verkehr:
 
Erhebliche Mittel wurden in den Ausbau eines leistungsf√§higen Verkehrsnetzes investiert, v. a. in den nur wenig entwickelten Stra√üenbau. Waren 1970 nur 10 % von 40 200 km Stra√üen asphaltiert, waren es 1993 85 % des 61 295 km langen Stra√üennetzes. Die wichtigste Strecke ist die Autobahn zwischen Seoul und Pusan. Das Streckennetz der Eisenbahn hatte 1994 eine Gesamtl√§nge von 6 559 km. 1994 wurde mit dem Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Seoul und Pusan (420 km) begonnen. Besonders wichtig sind K√ľstenschifffahrt (Bef√∂rderungsleistung 1994: 7,9 Mio. Fahrg√§ste, 234 Mio. t Fracht) und Seeschifffahrt (G√ľterumschlag 1994 353 Mio. t). Der Au√üenhandel wird zu einem Gro√üteil √ľber die H√§fen von Pusan und P'ohang an der S√ľdostk√ľste sowie √ľber Inch'ŇŹn, den am Gelben Meer gelegenen Hafen von Seoul, abgewickelt. 1992 gab es insgesamt 48 Hafenst√§dte, davon waren 27 in den internationalen Seeverkehr eingebunden. Die Schiffstonnage der s√ľdkoreanischen Handelsflotte stieg im Zeitraum 1970-95 von 0,8 auf 6,2 Mio. Bruttotonnen. Auch die Bedeutung des Luftverkehrs hat seit 1970 stark zugenommen. Wichtigster internationaler Flughafen ist Kimp'o bei Seoul, weitere internationale Flugh√§fen liegen bei Pusan und Cheju. Nationale Fluggesellschaft ist die Korean Air Lines.
 
 Geschichte:
 
Zur Entwicklung bis 1948 Korea (Halbinsel). Nach dem Koreakrieg (1950-53) lehnte sich S√ľdkorea weiterhin eng an die USA an (1954 In-Kraft-Treten eines Verteidigungsb√ľndnisses, amerikanische Finanzhilfe). Der autorit√§r regierende Pr√§sident Syngman Rhee (1952 und 1956 im Amt best√§tigt) wurde nach seiner dritten, stark manipulierten Wiederwahl (M√§rz 1960) durch Studentenunruhen zum R√ľcktritt gezwungen (27. 4. 1960. Neuwahlen Ende Juli 1960 brachten den Sieg der oppositionellen Demokratischen Partei; im August 1960 wurde Yun Posun Staatspr√§sident, im selben Monat Chang Myun Ministerpr√§sident (damit Etablierung der ¬ĽZweiten Republik¬ę nach der ersten von 1948). Am 16. 5. 1961 st√ľrzte eine Milit√§rjunta die Regierung und beseitigte die demokratischen Institutionen; im Juli 1961 √ľbernahm General Park Chung Hee die Macht (zun√§chst als Vorsitzender des im Mai 1961 errichteten ¬ĽObersten Rates f√ľr Nationalen Aufbau¬ę, nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Milit√§rdienst seit 1963 als Staatspr√§sident, damit Beginn der ¬ĽDritten Republik¬ę). Er st√§rkte die autorit√§ren Strukturen durch mehrere Verfassungs√§nderungen und bediente sich zur Absicherung seiner Herrschaft eines 1961 neu geschaffenen Geheimdienstes (bekannt als ¬ĽKorean Central Intelligence Agency¬ę, Abk√ľrzung KCIA). Au√üenpolitisch schloss S√ľdkorea 1965 einen Normalisierungsvertrag mit Japan und unterst√ľtzte die USA im Vietnamkrieg mit Truppen (rd. 50 000 Soldaten). Nach der Ermordung Park Chung Hees (Oktober 1979) wurde Choi Kyu Hah Staatspr√§sident. Im Mai 1980 schlug die Armee einen Aufstand in Kwangju nieder. Im August 1980 lie√ü sich General Chun Doo Hwan zum Staatspr√§sidenten w√§hlen und versuchte dann, die Opposition auszuschalten (u. a. 1980 Todesurteil gegen den Oppositionsf√ľhrer Kim Dae Jung, sp√§ter unter internationalem Druck begnadigt). Nach schweren Unruhen 1987 sah sich die Regierung gezwungen, mit der Wiedereinf√ľhrung der Direktwahl des Pr√§sidenten eine zentrale Forderung der Opposition zu erf√ľllen. Aufgrund der Spaltung des Oppositionslagers (mit Kim Young Sam und Kim Dae Jung Antritt von zwei Pr√§sidentschaftskandidaten) konnte sich bei den Pr√§sidentschaftswahlen im Dezember 1987 Roh Tae Woo von der regierenden Demokratischen Gerechtigkeitspartei durchsetzen (Amtsbeginn Februar 1988). 1990 schlossen sich die Regierungspartei, die bisherige oppositionelle Partei f√ľr Wiedervereinigung und Demokratie unter Kim Young Sam und die Neue Demokratisch-Republikanische Partei des fr√ľheren Premierministers und Generals Kim Young Pil zur Demokratisch-Liberalen Partei (Democratic Liberal Party, DLP) zusammen, die zun√§chst √ľber mehr als eine Zweidrittelmehrheit im Parlament verf√ľgte und die nach den Wahlen vom M√§rz 1992 sowie (nach ihrer Umbenennung in NKP 1995) bei denen vom April 1996 trotz starker Stimmenverluste st√§rkste Partei blieb. Die Pr√§sidentschaftswahlen im Dezember 1992 gewann Kim Young Sam (Amtsantritt Februar 1993). Er setzte zahlreiche Reformen durch, v. a. im Kampf gegen die korrupte Verflechtung von Wirtschaft und Politik sowie gegen den politischen Einfluss des Milit√§rs (Ende 1995 Verhaftung der fr√ľheren Pr√§sidenten Roh Tae Woo und Chun Doo Hwan und 1996 Verurteilung beider in einem Hochverratsprozess sowie in Verfahren wegen Korruption; Begnadigung und Freilassung Ende 1997).
 
In der zweiten H√§lfte seiner Amtszeit verst√§rkte sich die Kritik an der Politik Kim Young Sams, insbesondere wegen des Ausbleibens grundlegender Strukturreformen und fehlender innenpolitischer Kontinuit√§t (h√§ufiges Auswechseln der Regierungsmitglieder), wegen seines zunehmend undemokratischen F√ľhrungsstils (u. a. hartes Vorgehen bei der Verabschiedung neuer, von den Gewerkschaften und der Opposition abgelehnter Arbeitsgesetze im Dezember 1996 und bei den nachfolgenden Arbeitsk√§mpfen Anfang 1997) und der Verstrickung von Regierungspolitikern und sogar seines Sohnes in Korruptionsskandale. Im Dezember 1997 w√§hlte die Bev√∂lkerung Kim Dae Jung zum Staatspr√§sidenten (Amtsantritt am 25. 2. 1998). Von den Auswirkungen der asiatischen Wirtschaftskrise (ab 1997) konnte sich S√ľdkorea zun√§chst relativ rasch wieder erholen. Auch gegen die Pr√§sidentschaft von Kim Dae Jung richtete sich zunehmend Kritik, der er u. a. mit wiederholten Kabinettsumbildungen zu begegnen suchte. Bei den Parlamentswahlen im April 2000 wurde die Gro√üe Nationalpartei (GNP) st√§rkste Partei, gefolgt von der durch Kim Dae Jung gef√ľhrten Demokratischen Millenniumspartei. Nach einer neuerlichen Regierungsumbildung im Juli 2002 ernannte Pr√§sident Kim Dae Jung mit der promovierten Philosophin Chang Sang (* 1939) erstmals eine Frau zum Ministerpr√§sidenten; kurz darauf stimmte das Parlament aber gegen ihre Einsetzung.
 
Von au√üenpolitischer Bedeutung war die Aufnahme von S√ľd- und Nordkorea in die UNO am 17. 9. 1991. Im August 1992 normalisierte S√ľdkorea seine √ľber Jahrzehnte gespannten Beziehungen zu China, im Dezember 1992 nahm es diplomatischen Beziehungen zu Vietnam auf. Im November 1992 schloss S√ľdkorea einen Grundlagenvertrag √ľber freundschaftliche Beziehungen zu Russland. 1998 konnte auch das Verh√§ltnis zu Japan grundlegend verbessert werden (bei einem Staatsbesuch Kim Dae Jungs im Oktober Entschuldigung der japanischen Regierung f√ľr die 35 Jahre w√§hrende brutale Kolonialherrschaft in Korea).
 
Seit 1990 intensivierte S√ľdkorea seinen Anfang der 70er-Jahre aufgenommenen Dialog mit Nordkorea, der aber nur stockend vorankam. (Korea, Halbinsel). Trotz Wiederaufnahme von Verhandlungen zwischen Nord- und S√ľd-Korea (unter Beteiligung Chinas und der USA) √ľber einen Friedensvertrag (1997) brachen immer wieder zum Teil milit√§risch bedrohliche innerkoreanische Spannungen auf (erneut im Juni 1999, als es im Gelben Meer zu einem Seegefecht zwischen nord- und s√ľdkoreanischen Kriegsschiffen kam). Dessen ungeachtet setzte Kim Dae Jung seinen als ¬ĽSonnenscheinpolitik¬ę apostrophierten und 2000 mit der Verleihung des Friedensnobelpreises honorierten Ann√§herungs- und Entspannungskurs gegen√ľber Nordkorea konsequent fort. Das historische Gipfeltreffen Kim Dae Jungs mit dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Il im Juni 2000 in Pj√∂ngjang diente einem Neuanfang in den Beziehungen der beiden koreanischen Staaten. Dieser gestaltete sich jedoch insbesondere wegen des seit 2001 wieder h√§rteren Kurses der USA gegen√ľber Nordkorea als schwierig und blieb nicht frei von R√ľckschl√§gen (Ende Juni 2002 Seegefecht zwischen Schiffen der beiden koreanischen Staaten im Gelben Meer); Ende Juli 2002 einigte man sich aber auf eine Fortf√ľhrung des ins Stocken geratenen Ann√§herungsprozesses.
 
 
A. u. P. Keilhauer: S√ľd-K. (1986);
¬†S. Y. Kim: Die polit. Dimension der industriellen u. technolog. Entwicklung. Das Beispiel S√ľd-K. (1988);
¬†K. Wessel: Raumstrukturelle Ver√§nderungen im Entwicklungsproze√ü S√ľd-K.s (1991);
 G.-K. Kindermann: Der Aufstieg K.s in der Weltpolitik (1994);
 Soon Cho: The dynamics of Korean economic development (Washington, D. C., 1994);
 G. L. Simons: K. Search for sovereignty (Basingstoke 1995).

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Ko|rea; -s: Halbinsel in Ostasien.

Universal-Lexikon. 2012.

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